Bali

09.04.

Wir landen in Denpasar. Im Anflug haben wir schon die ersten indonesischen Inseln in der Dunkelheit ausmachen können. Stellenweise sah es so aus, als würde irgendwas brennen. Wir warten auf unser Gepäck und versuchen nebenbei unsere eSIM-Karten zu aktivieren. So richtig klappt das nicht. Müssen wir jetzt doch noch unsere Geräte registrieren, wie wir es vorher gelesen haben? Wir maulen uns ein bisschen gegenseitig wegen der Sache an. Irgendwann zeigen die Handys LTE, dann muss ja alles gut sein. Unser Gepäck haben wir auch, und wir können weiter zum Zoll. Unsere Erklärung erstellen wir an einem Computer, Modell Mitte der 2000er. Die Tastatur und Maus machen den Eindruck, als wurden sie seitdem auch noch nicht wieder gewechselt. Wir drucken unseren Zoll-Erklärungs-QR-Code aus und gehen eine Station weiter zur Einreise. Dort wird der Pass und unser 30-tägiges Touristen-eVisum geprüft und der QR-Code wird auch eingescannt. Dann sind wir offiziell in Indonesien angekommen, das war einfach.

Vor dem klimatisierten Flughafengebäude beschlagen erstmal unsere Brillen. Am Rand steht eine kleine Bude, die zur Zahlung der Bali-Touristensteuer auffordert. Die könnte man „aus Versehen“ auch recht einfach übersehen. Uns kann sie egal sein, wir haben vorher schon online gezahlt. Hinter einem kleinen Zaun steht ein ganzer Haufen Menschen. Alle erzählen und rufen durcheinander. Es ist heiß, obwohl es auf Mitternacht zugeht, und ich weiß nicht, ob ich schwitze oder ob einfach nur die Luftfeuchtigkeit an mir kondensiert. Wir finden einen Mann, der einen Zettel mit der Aufschrift „Ms. Luisa Grittner“ in die Höhe hält. Wir verständigen uns mit ihm über den Zaun hinweg. Wir müssen noch ein paar Meter weiter, um den Zaun herum. Auf diesem Weg versuchen wir, ihn zwischen den anderen Menschen nicht aus den Augen zu verlieren. Am Ende des Zaunes wartet er zusammen mit seiner Freundin auf uns. Gemeinsam gehen wir rüber zum Parkhaus. Er holt das Auto und wir warten vorne mit seiner Freundin auf ihn. Lulu meint, sie hätte ein paar Selfies mit uns im Hintergrund gemacht. Scheint hier so eine Art Sport zu sein. Unser Fahrer fährt mit seinem Pickup vor. Wir packen unsere großen Rucksäcke hinten auf die Ladefläche, steigen ein und los geht die wilde Fahrt.

Ich bin wirklich froh, hier nicht fahren zu müssen. Offiziell hat die Straße zum Flughafen drei Spuren. Es fahren aber gut und gerne fünf Autos nebeneinander. In Kreuzungsbereichen wird es noch unübersichtlicher und sowieso fahren aus allen Richtungen Roller an uns vorbei. Wir sind ein bisschen um die Rucksäcke hinten auf der Ladefläche besorgt. Andererseits nimmt man die bei ihrem Gewicht auch nicht einfach im Vorbeifahren mit. Ständig staut es sich und es stockt der Verkehr. Nach einer Weile wird das Geschehen aber ruhiger und die Straßen schmaler. Die Bebauung nimmt auch langsam ab, dafür kommen aber immer mehr Hunde hinzu, die links und rechts der Straße liegen, stehen und laufen. Unser Fahrer hupt vor jeder Engstelle, Hügelkuppe oder Kurve. Bremsen muss man aber an solchen Stellen anscheinend nicht. Dafür hat er ständig den Warnblinker an, was auch immer das bedeuten soll. Wir stellen unterwegs fest, dass unsere Handys doch noch nicht richtig aktiviert sind. Es wird zwar LTE oder sogar 5G angezeigt, aber Daten gehen anscheinend weder rein noch raus.

Wir kommen am Anima Retreat an. Es stürmen Hunde auf das Auto zu. Sollen wir jetzt aussteigen? Draußen versucht jemand im Dunkeln die Hunde zu beruhigen. Na gut, dann wagen wir uns mal raus. Ich will meinen Rucksack von der Ladefläche nehmen, aber nein, das wird für uns gemacht. Sebastien begrüßt uns und führt uns zu unserer Hütte. Die Klimaanlage läuft schon. Über dem großen Bett, das mitten im Raum steht und um das man herumlaufen kann, hängt ein ebenfalls großes Insektennetz. Unser Bad ist draußen, teils unter einem Vordach, teils unter freiem Himmel. Wir sollen ganz in Ruhe ankommen, den frisch gepressten Melonensaft genießen und dann nochmal zur Haupthütte kommen. Dort wartet noch das Abendbrot auf uns, auch wenn es schon fast Mitternacht ist.

Nach dem Abendessen stellen wir fest, dass nicht nur unsere SIM-Karten nicht funktionieren, sondern auch das WLAN in unserer Hütte nicht mit der Außenwelt kommunizieren will. Eigentlich wollten wir morgen früh um 9 Uhr Karten für das Ghibli Museum in Tokio besorgen, aber so wird das wohl nichts. Dann gehen wir eben erstmal ins Bett, ist ja schon 2 Uhr durch…

10.04. bis 15.04.

Beim ersten Frühstück besorgen wir uns erstmal Internet. Dabei sehen wir dann, dass das Ghibli Museum zu den Zeiten, zu denen wir in Tokio sein werden, sowieso nicht geöffnet gewesen wäre. Dann genießen wir eben die Zeit hier. Um das Retreat herum gibt es eigentlich nichts: Ein kleines Dorf und ein paar Reisfelder, das war’s. Morgens, mittags und abends werden wir mit balinesischer Hausmannskost versorgt, das bedeutet viel Gemüse, Tofu und Obst, aber wenig Fleisch. Die Portionen sehen auf den ersten Blick recht klein aus, reichen aber durchaus, um ohne Hunger bis zur nächsten Mahlzeit zu kommen. Wir kommen jedenfalls ohne Snacks und Naschereien aus (wo sollten wir die auch hernehmen?). Beim Abendessen beobachten wir gern die anderen Besucher der großen Haupthütte: Ein paar Fledermäuse, angezogen vom Licht, flattern unter der Decke. Vermutlich sind hier beste Bedingungen für die Jagd nach Mücken. Geckos lassen sich auch immer mal wieder an den Pfeilern und unter der Decke blicken.

Die Anlage hat zwei Pools: Einer liegt direkt vor der Haupthütte, wo auch Küche, Esszimmer und Lobby sind. Der zweite Pool liegt etwas unterhalb unserer Hütte. Hin und wieder kommen und gehen Nachbarn. Zeitweise sind wir aber auch die einzigen Gäste in der Anlage. Die Saison ist anscheinend noch nicht so richtig angelaufen, da die Regenzeit gerade erst zu Ende geht. Es regnet immer wieder mal für eine halbe Stunde, danach ist wieder schönster Sonnenschein. Zwischenzeitlich haben wir ein Trio aus der Türkei als Nachbarn. Sie sind ein frisch verheiratetes Paar, begleitet von seiner Schwester. So wirkt es zumindest auf uns. Wir taufen sie liebevoll Nastjenka, Iwan und Marfuschka, auch wenn das Herkunftsland nicht passt. Für Iwan sind die Portionen natürlich allesamt viel zu klein und überhaupt wird viel zu wenig Fleisch serviert. Hätte man sich doch vorher nur mal die Beschreibung der Unterkunft durchgelesen, dann hätte man gelesen, dass balinesische Hausmannskost serviert wird. Das eine Abendbrot ist wirklich nicht so dolle. Das Trio war irgendwo auf einem Markt und teilt das erbeutete Obst mit uns, ein feiner Zug. Mit dabei sind Schokodatteln, Mangostan und Snakefruit. Die lautstarke Bemerkung, dass die Anlage mal einen ordentlichen Koch braucht, während die Köchin noch im Hintergrund rumwuselt, sorgt bei uns allerdings für Fremdscham.

Zum „Hotelpersonal“ gehören vier Hunde: Weiß, orange, braun und schwarz. Der Orange ist unser neuer bester Freund. Als Zeichen seiner Freundschaft legt er gern kleine Steine vor unserer Hütte ab. Der braune muss sowas wie eine bipolare Störung haben. Manchmal ist auch er unser bester Freund, manchmal bellt er uns aggressiv an. Die anderen beiden haben anscheinend keine eigene Persönlichkeit, sondern machen einfach das nach, was einer der anderen beiden vormacht.

Wir holen erstmal Schlaf nach, der seit Cairns Mangelware war. Es tut auch gut, nicht ständig weiterreisen zu müssen, sondern stattdessen zu wissen, dass wir die ganze Woche hier bleiben werden. So lange waren wir seit Christchurch, zu Beginn unserer Reise, nicht mehr an einem Ort. Immer wieder nutzen wir den Pool am Haupthaus zur Abkühlung und dösen unter den Sonnenschirmen, bis wir wieder trocken sind.

An einem Tag verlassen wir doch mal die Anlage und spazieren zwischen den umliegenden Reisfeldern. Es ist eigentlich ganz idyllisch und bietet gute Ausblicke bis zum Meer. Leider liegt links und rechts des Weges immer wieder Müll. Auf dem Weg zurück zum Hotel versperrt uns ein kläffender Hund den Weg. Der hat seinen Schwanz gesenkt zwischen seinen Beinen, meint es wirklich ernst und will uns nicht durchlassen. Es ist leider auch niemand in der Nähe, zu dem der Hund gehören könnte. Also drehen wir um und suchen einen anderen Weg. Da steigen allerdings große Rauchwolken auf und ziehen über den Weg. Sind wir jetzt hier zwischen Feuer und Hund gefangen? Nein, der Weg scheint frei zu sein, der Hund hat sich anscheinend verzogen. Als wir aber an die Stelle kommen, wo wir vorhin umgedreht haben, kommt der blöde Köter wieder aus dem Gebüsch hervor und bellt los. Mist… Also doch in Richtung Feuer. Von dort kommt auch gerade eine Frau den Hügel herauf, man scheint also irgendwie durchzukommen. In einem großen Bogen nähern wir uns dem Dorf und von dort dem Hotel. Auch im Dorf sind einige Hunde verteilt, sie bellen uns mal mehr mal weniger an. Meist lassen sich die Hunde auch irgendeinem Grundstück zuordnen, an dessen Grenze sie kläffend stehenbleiben.

Es ist heiß. Jeden Tag herrschen mindestens 30 Grad und eine Luftfeuchtigkeit von mindestens 75 Prozent. Wir schwitzen bei jeder noch so kleinen Bewegung. Vielleicht kondensiert auch nur die Luftfeuchtigkeit an uns? Ich kann es immer noch nicht genau sagen. Jedenfalls ist man die ganze Zeit irgendwie nass. Wir nutzen die Zeit z.B. auch, um die weitere Reise zu planen (Lulu) oder die Fotos der Kamera zu sortieren (ich) und die Reisetagebücher auf den aktuellsten Stand zu bringen (beide).

Wir haben jeweils eine 90-minütige traditionelle balinesische Massage gebucht. Die ist eigentlich ganz schön. Der orange Hund gesellt sich dazu, sodass wir zwischendurch immer mal wieder Hundeatem oder einen haarigen Schwanz im Gesicht haben. Hinterher muss ich außerdem feststellen, dass mir traditionelle Massagen anscheinend nicht gut bekommen. Zurück an der Hütte wird mir zuerst schwarz vor Augen und dann richtig übel. Während ich über dem Klo hänge, ergoogelt Lulu, dass das durchaus normale Nebenwirkungen einer traditionellen Massage sein können, insbesondere wenn man kein regelmäßiger Massagegänger ist. Im Abendbrot stochere ich nur ein wenig herum und habe es plötzlich sehr eilig, das nächste Klo zu erreichen. Auch der nachfolgende Tag vergeht für mich ohne wirklichen Appetit. Wir haben Sitzungen mit Sebastien gebucht. Ich mache mit ihm ein paar Atemübungen zum Stressabbau (auch wenn ich sie jetzt gerade nicht wirklich brauche) und ein paar einfache Yoga- und Dehnungsübungen.

Wir wagen noch einen zweiten Ausflug in die Umgebung und besuchen einen Tempel im Nachbarort, den Sebastien empfohlen hat. Unterwegs treffen wir wieder auf einige Hunde, die uns aber in Ruhe lassen, nachdem sie merken, dass wir nicht an ihrem Grundstück interessiert sind. Außerdem passieren wir einige kleinere Feuer, da hier anscheinend jeder etwas zu verbrennen hat, meistens Müll. Ein paar Kinder kommen auf uns zu und fragen nach Geld, was wir freundlich aber bestimmt ablehnen. Komplett durchgeschwitzt kommen wir am Tempel an. Madeh ist für die Pflege des Tempels zuständig. Hilfe kriegt er heute, und für noch ein paar weitere Wochen, von einer Polin, deren Namen wir aber nicht erfahren. Uns wird eine Tempelrobe verpasst und eine kleine spirituelle Reinigung gibt es auch. Das kühle, heilige Wasser auf dem Kopf tut ganz gut bei dem Wetter. Dann können wir die Anlage allein begehen. In der Mitte steht eine große Statue. Umringt wird sie von acht kleineren Statuen. Die neun Figuren sind als eine Art Springbrunnen angeordnet. Wir gehen den kleinen Rundweg um den Brunnen herum und betrachten ihn so aus verschiedenen Perspektiven. Am Ausgang lassen wir uns die Figuren von Madeh erklären. „In der Mitte stehst du selbst. Solange du dich selbst ehrst und gut mit dir selbst umgehst, ehrst du gleichzeitig auch Gott. Die acht äußeren Figuren sind wie ein Kompass. Egal wohin man sich wendet, Gott wird für dich da sein.“ Das ist doch eine ganz nette Auffassung von Religion, völlig ohne Selbstkasteiung. Auf dem Rückweg zur Unterkunft haben wir keine Probleme mit Hunden, dafür spielen drei der Hotelhunde verrückt und bellen und knurren uns an. Einer der Angestellten kommt, um nach dem Rechten zu sehen und bringt die drei zur Ruhe. Der orange Hund bietet uns schließlich Geleitschutz bis zur Hütte.

16.04.

Wir haben unser letztes Frühstück hier im Retreat. Dabei haben wir ein Abschiedsgespräch mit Sebastien. Anschließend gehen wir jeder nochmal duschen und packen unsere Sachen fertig. Zu 11:15 Uhr ist der Fahrer bestellt, der uns nach Lovina bringen soll. Als wir kurz nach 11 Uhr von der Hütte zum Eingang der Anlage gehen, steht der Fahrer schon da. Er ist ein netter Typ, der direkt aus Lovina kommt. Wir erzählen unterwegs ein bisschen mit ihm, auch von unserer Reise. Er kann es kaum glauben: „EIN GANZES JAHR URLAUB?“ Unterwegs hält er zweimal und fragt beide Male vorher, ob das in Ordnung ist. Beim ersten Stopp kauft er einen ganzen Beutel Mangostan. Die müssen wir unbedingt probieren. Sie sind wieder lecker, allerdings auch beinahe zu saftig und klebrig für den Rücksitz eines Autos. Beim zweiten Mal braucht er Mittag. Er sagt, wenn er nicht isst, wird er müde. „Das kann nicht gut fürs Fahren sein…“ Hinterher schnell noch eine rauchen und schon kann es weitergehen. Wir kämpfen uns langsam am Gunung Batukaru vorbei. Es muss gerade allgemeiner Schulschluss sein, denn plötzlich sind viele junge Menschen in Uniformen auf Rollern auf den Straßen unterwegs. In den waldigen Gebieten, außerhalb von Ortschaften, können wir immer wieder Affen entdecken.

Wir kommen im Hotel an. Weil wir von unserer Reise erschöpft sind, zumindest laut Empfangschef, werden unsere großen, schweren Rucksäcke für uns zum Zimmer getragen. Wir sollen uns erstmal ausruhen und wenn wir erholt sind, sollen wir gern nach vorn zum offiziellen Check-in kommen. Unser Zimmer ist wieder relativ groß und das Bett hat wieder einen Mückenvorhang. Wenn der Empfangschef das so verordnet, machen wir natürlich liebend gern ein Nickerchen unter der Klimaanlage und planen den weiteren Tag. Die Bewertungen der umliegenden Geldautomaten bei Google Maps lassen Schlimmes befürchten: Kein Geld ausgegeben oder nur die Hälfte des gewünschten Betrages aber voll abgebucht, Karte einbehalten, usw. Dann suchen wir uns eine Essensquelle für heute Abend: Gegenüber vom Hotel ist ein Warung mit guten Bewertungen.

Nach Abschluss unserer Recherchen melden wir uns an der Rezeption, um offiziell einzuchecken. Nachdem die Formalitäten erledigt sind, fragen wir noch nach einem Transport nach Gilimanuk, wo wir in ein paar Tagen auf die Fähre nach Java steigen wollen. Alles gar kein Problem. Nachdem auch der Transport geklärt ist, folgt ein Verkaufsgespräch. „Wie wär’s mit einer Delfintour?“ „Haben wir schon gebucht.“ „Wie wäre es mit leuchtendem Plankton?“ „Haben wir auch schon gebucht. Beides für morgen…“ „Aber was ist mit übermorgen? Da müsst ihr doch auch was machen…“ Zack, haben wir eine Schnorcheltour auf unserem Plan für übermorgen. „Mit Nemo-Fisch und Schildkröten, wenn ihr Glück habt. Viele Korallen leben sogar noch.“ Er hätte auch noch einen Kumpel auf Java, falls wir noch eine Tour auf den Mount Ijen machen wollen. Nein, danke, total lieb, aber reicht jetzt.

Jetzt gehen wir zum vorhin ausgekundschafteten Geldautomaten. Er gehört, wie es auch überall empfohlen wird, zu einer Bankfiliale und steht nicht einfach lose am Straßenrand. Der Automat sieht gut aus, nichts ist angeklebt und kaputt ist er auch nicht. Wir müssen nur erstmal mit dem Menü klarkommen. Da steht irgendwas mit 50.000 oder 100.000 Rupien. Google Translate hilft weiter. Es handelt sich zum Glück nur um die verfügbaren Scheingrößen, nicht um den Maximalbetrag. Der wiederum liegt bei 1.000.000 Rupien, ca. 60 Euro. Der gewünschte Betrag kommt aus dem Automaten. Die Karte spuckt er auch wieder aus. Alles ist gut. Auf dem Rückweg besorgen wir noch ein paar Snacks, Wasser und unser erstes Frühstück für morgen in dem Mini-Markt gegenüber vom Hotel.

Alles im Zimmer abladen und dann gehen wir rüber zum vorhin gefundenen Warung. Das scheint ein echter Familienbetrieb zu sein. Die Mutter steht in der Küche, die Tochter bedient und der Sohn sorgt mit seiner Gitarre für die Unterhaltung der Gäste. Er singt Hero von Enrique Iglesias. Es klingt ein bisschen schief, aber wir versuchen uns nichts anmerken zu lassen. Lulu isst Babi Kecap, ich esse Mie Goreng (gebratene Nudeln) mit Hähnchenspießen. Zum Dessert genehmigen wir uns eine Bananen-Frühlingsrolle. Am Ende zahlen wir 155.000 IDR, ca. 9 Euro. Während wir dort sitzen, fällt uns auf, dass viele Servicekräfte das gleiche „Excuse me, Mr(s).“ draufhaben: Zum Beispiel hier, aber auch die Masseuse und die Köchin im Anima Retreat.

Im Hotelzimmer installiert Lulu Grab, worüber sich hier alles bestellen lässt: Miet-Roller und -Autos, Taxifahrten, Einkäufe aus dem Supermarkt, Essen aus Restaurants und vermutlich noch vieles mehr. Mit der App reserviert Lulu eine Fahrt zur Delfintour für morgen früh. Hinterher gibt es eine ganze Menge Meldungen:

  • „Ein Fahrer hat die Fahrt bestätigt.“
  • „Dein Fahrer hat die Fahrt abgesagt.“
  • „Ein neuer Fahrer hat die Fahrt bestätigt.“
  • „Dein Fahrer hat die Fahrt abgesagt.“
  • „Ein neuer Fahrer hat die Fahrt bestätigt.“

Na mal sehen, was das wird. Wir schalten die Klimaanlage aus, lassen nur noch den Ventilator laufen und gehen ins Bett.

17.04.

Um 5:15 Uhr klingelt unser Wecker schon wieder. Als kleines Frühstück muss eine Waffel aus dem Supermarkt und Wasser reichen, damit wir nicht mit leerem Magen los müssen. Zu 5:45 Uhr ist das Grab bestellt. Das hat allerdings 10 Minuten Verspätung, weswegen wir gerade so noch rechtzeitig schaffen, um 6:00 Uhr am Treffpunkt zu sein. Der Grab-Fahrer kommt uns nochmal hinterher. Er kommt anscheinend mit seiner Technik nicht klar und hat die Fahrt gelöscht, bevor er sie als abgeschlossen markiert hat. Deshalb kriegt er nun kein Geld über die App und wir sollen ihn doch bitte in Bar bezahlen. Wir versuchen ihm zu erklären, dass bei Luisa das Geld schon abgebucht wurde und dass wir nicht doppelt bezahlen werden. Außerdem haben wir auch gar kein Bargeld dabei, da wir gleich schnorcheln wollen. Ob er das verstanden hat, bleibt fraglich, denn über den Tag kommen noch ein paar WhatsApp-Nachrichten und Anrufe.

Diverse Leute umringen uns: „Tour? Tour? TOUR?“ Jemand ruft „Luisa“ aus dem Hintergrund. Alle anderen weichen zurück und wir haben anscheinend unseren Guide gefunden (oder er uns). Er führt uns zu seinem Boot. Es besteht aus einem recht schmalen Rumpf mit je einer Kufe links und rechts. Damit fahren wir jetzt raus aufs Meer, stoppen aber ca. 20 Minuten später für den Sonnenaufgang. Danach geht die wilde Fahrt weiter, bis wir Delfine finden. Ein ganzes Rudel Boote (ca. 15) stürzt sich auf die armen Tiere. Wir kriegen ein bisschen schlechtes Gewissen. In der Beschreibung der Tour stand sowas wie „Ihr Guide ist ein Ortsansässiger und es wird sehr auf das Wohl der Tiere geachtet“. Nach ein paar Runden dreht unser Captain ab und fährt noch ein ganzes Stück weiter in Richtung Westen. Nachdem wir anscheinend endlich irgendwo angekommen sind, am Ufer ist ein Kraftwerk zu erkennen, erklärt er uns auch, was der Plan ist: Hier ist ein anderes Delfinrevier, wo meist weniger Boote sind. Allerdings sind hier heute auch keine Delfine zu entdecken.

Also fahren wir wieder zurück. Im ersten Revier ist nur noch etwa die Hälfte der Boote übrig. Unser Captain reicht uns Taucherbrille und Schnorchel. Die setzen wir uns auf und dann geht’s ab ins Wasser. An den Trägern zwischen Bootsrumpf und den Kufen ist auf jeder Seite ein Trapez angebracht, daran können wir uns festhalten und uns durch das Wasser ziehen lassen. So fahren wir von einem Schwarm Delfine zum nächsten. Bei schnellerer Fahrt bange ich etwas um den Halt meiner Badehose. Zum Glück ist die gut festgeknotet. Lulus Bikini hat keine Schnüre zum Festziehen, also muss sie etwas mehr mit dem korrekten Sitz ihrer Badebekleidung kämpfen. Die Delfine sind mal weit unten, sodass man sie für kleine Fischchen halten könnte (es muss hier echt tief sein), mal sind sie so nah, dass man sie fast anfassen könnte. Sie schwimmen in die gleiche Richtung wie wir fahren, sie kreuzen von links und rechts oder kommen uns entgegen. Wenn sie genug von dem Trubel an der Oberfläche haben, tauchen sie wieder ab. In meinem Kopf geht es die ganze Zeit zwischen „Wie cool, Delfine!“ und „Wie gut ist das für die Tiere?“ hin und her. Immer wenn ich den Kopf mal kurz aus dem Wasser hebe, um Wasser aus der Brille zu lassen oder um verschlucktes Wasser auszuhusten, kommt vom Captain direkt ein „Guck runter, runter, guck runter!“ Ist ja total nett, dass er uns etwas für unser Geld bieten will, aber muss er mich dabei so stressen?

Zurück an Land lehnen wir nochmal diverse Angebote ab und fahren mit einem Grab zurück zum Hotel. Diesmal klappt der ganze Prozess reibungslos und im Hotel wartet schon das Frühstück auf uns. Im Preis inbegriffen ist entweder: Ein Pancake in den Varianten Banane, Ananas oder Balinesisch, ein Sandwich aus dem Sandwichtoaster in denselben Geschmacksrichtungen oder Toast mit Ei (gebraten, gerührt oder gekocht) oder gebratener Reis. Dazu gibt’s einen Obstsalat und ein heißes oder kaltes Getränk nach Wahl. Während wir essen kommt die Hotelchefin vorbei und stellt sich vor. Auch sie hat noch Freunde, die hier und da noch irgendwas anbieten oder mit irgendwas helfen könnten. Sie ist aber netterweise weniger aufdringlich damit und der Rest des Gespräches ist eigentlich ganz nett. Nach dem Essen verziehen wir uns erstmal zum Duschen und für ein Nickerchen auf unser Hotelzimmer.

Dann müssen wir eigentlich auch schon wieder los. Wir stoppen am Pepito Market, einem richtigen Supermarkt, deutlich größer als der Mini-Markt gegenüber vom Hotel, mit wirklich allem, was man brauchen könnte. Wir bummeln durch die Regale, bis wir fast schon wieder zu spät dran sind. Zum Glück müssen wir nur einmal um die Ecke zu unserer Plankton- und Sonnenuntergangstour. Unser Captain von heute früh wartet schon auf uns. Er fährt uns ein Stück raus zu einem Riff. Wir haben für heute genug gebadet und kein Badezeug dabei. Unser Captain ist sichtlich verwirrt. „Aber man sieht so viel besser unter Wasser…“ „Ist schon OK, wir gucken einfach über den Bootsrand.“ Unser Captain opfert ein paar Cracker, um Fische anzulocken, die man eigentlich auch so ganz gut sehen könnte. Aber da wir nicht im Wasser sind, haben wir ein bisschen Zeit, mit ihm zu quatschen. Er kommt direkt aus Lovina. Angefangen hat er als Fischer. Vor einer Weile hat er begonnen, auch Touristen zu fahren. Damals haben die Touren 1.000 IDR gekostet. Wir haben heute pro Tour und Person 200.000 IDR (ca. 11,50 €) bezahlt. Die paar Touristen, die es damals hier gab, lagen den ganzen Tag am Strand. Hotels und Villen gab es auch (fast) nicht. Die meisten Villen stehen heute in den Bergen und gehören Niederländern. Während wir uns unterhalten, geht die Sonne irgendwo hinter Java unter, das sich leider in Wolken hüllt. Es dauert noch eine Weile, bis es wirklich dunkel ist und wir das leuchtende Plankton sehen können. Wie schon in Neuseeland braucht das Plankton ein wenig Motivation, damit es leuchtet. Wenn das Boot fährt, sehen wir es im Wasser immer wieder aufblitzen. Ansonsten müssen wir mit Händen, Füßen oder dem Notpaddel im Wasser herumrühren. Unser Captain ist immer noch von uns verwirrt und betont immer wieder, wie viel besser wir das leuchtende Plankton sehen könnten, wenn wir selbst im Wasser wären. Er gibt trotz aller Verwirrung alles, um das Plankton für uns zum Leuchten zu bringen. „Guckt mal hier… Guckt mal da… Guckt mal unter dem Boot…“ Am Horizont blitzt es auch immer wieder. Es scheint ein Gewitter aufzuziehen und Lulu wird ein bisschen nervös. Ich vertraue dem Captain, der wird schon wissen, was er tut. Irgendwann geht der Mond auf, was eher nachteilhaft für die Beobachtung von leuchtendem Plankton ist. Gegen 20:30 Uhr fahren wir zurück in Richtung Land, komplett im Dunkeln und ohne jegliche Beleuchtung. Der Captain wird schon wissen, was er tut…

Per Grab fahren wir zurück zum Hotel und essen Abendbrot im Hotelrestaurant. Ich habe Lust auf Pizza. Die ist auch gar nicht mal so schlecht, dafür, dass Italien ziemlich weit weg ist. Danach gehen wir auch bald schon wieder ins Bett, da wir morgen für die Schnorcheltour wieder früh raus müssen.

18.04.

Heute klingelt der Wecker erst um 7:30 Uhr, ab 8:00 Uhr gibt es Frühstück und um 8:30 Uhr holt uns der Bus zur Schnorcheltour ab. Wir sind pünktlich beim Frühstück, eigentlich ist auch noch gar nicht so viel los, trotzdem dauert es relativ lang, bis unser Frühstück kommt. Dann ist mein Pancake auch noch mit Kokos, was ich nicht mag. Die Bedienung versichert uns, dass es gar kein Problem ist, er lässt mir direkt einen neuen machen. „Aber es ist schon 8:20 Uhr. In 10 Minuten kommt unser Bus zur Schnorcheltour.“ „Gar kein Problem, das manage ich für euch.“ Na gut, dann zweiter Anlauf. Diesmal geht es deutlich schneller und ich kriege den richtigen Pancake. Trotzdem ist das Frühstück stressiger, als es sein müsste. Es ist so furchtbar, ein Jahr lang nicht arbeiten zu müssen.

Der Bus verspätet sich um ein paar Minuten und fährt erst vor, nachdem ich die letzten Bissen bereits hinter mir habe. Es handelt sich um einen 9-Sitzer älteren Baujahrs. Darin sitzen bereits der Fahrer, der Tauch-/Schnorchelguide und zwei Kanadier, die etwas Alt-Hippie-Charme versprühen: Peter, Mitte 50, und Alexandra, Anfang 60, aus der Gegend um Vancouver. Theoretisch gäbe es im Bus eine Klimaanlage, leider gibt es dazu aber keine Knöpfe mehr, um sie zu regeln oder gar einzuschalten. Der nächste Stopp ist ein Tauch-Shop, wo wir die Ausrüstung einsammeln. Als wir in den Laden gehen, verschwindet hinter uns der Bus. Wir probieren Taucherbrille, Schnorchel und Flossen an. Ich soll unbedingt eine Taucherbrille mit Stärke probieren, „damit sieht man besser.“ Plötzlich sehe ich den Raum in fünf Dimensionen. „Danke für den Hinweis. Ich bleibe bei der normalen Brille.“ Der Bus hat in der Zwischenzeit noch ein Pärchen aus Hannover aufgesammelt. Emily und Jonas haben gerade Work & Travel in Australien zwischen Abi und Studium hinter sich und machen jetzt noch ein paar Wochen Urlaub in Indonesien. Jonas möchte zur Polizei gehen und Emily weiß noch nicht so recht. „Aber irgendwas muss man ja studieren…“ Wir tun unsere Zweifel daran kund, dass man studieren muss.

Nachdem alle passende Ausrüstung gefunden haben, kann’s losgehen. Wir scheppern mit dem Bus durch das nördliche Bali gen Westen. Anscheinend ist die Küste hier ein durchgehender Ort, der nur auf kurzen Stücken von etwas Natur durchbrochen wird. Unterwegs sehen wir wieder ein paar Affen am Straßenrand. Wir machen noch einen Zwischenstopp an einem Tauch-Shop mit angeschlossenem Warung, wo wir das vorbestellte Mittagessen einsammeln. Danach fahren wir nochmal ca. 20 Minuten bis zum Bootsanleger. Das Boot passt zum Bus und ist auch schon etwas älter und klappriger. Ein paar Männer sind schon dabei, das Wasser aus dem Boot zu pützen. Das kann ja was werden…

Auf unserer Überfahrt nach Menjangan sehen wir einen toten Hund im Wasser treiben. Da kommt richtig Vorfreude auf, gleich ins Wasser zu springen. Zum Glück ist es noch ein ganzes Stück bis zur Insel. Nachdem wir angelegt haben, wird uns eine Richtung vorgegeben, in der wir uns bewegen dürfen. Das Riff schließt sich direkt an den Strand an. Wir sehen viele abgebrochene Korallen, vor allem im flachen Wasser. An der Riffkante geht es steil in die Tiefe. Die Teile, die nicht abgebrochen sind, sehen besser aus als das Great Barrier Reef. Es kommt uns so vor, als wäre das Riff dichter mit Fischen besiedelt, die im Sonnenschein in allen Farben des Regenbogens strahlen. Ein völlig irrer Anblick. Allerdings sehen wir auch einigen Müll im Wasser und am Strand. Dafür gibt es hier keine 90 anderen Leute, die ohne Rücksicht auf Verluste in uns reinschnorcheln. Auf dem Weg zurück zum Boot treibt ein rotes Samtkissen mit gelben Fransen an uns vorbei. Ich halte es zuerst für eine Qualle oder Schlimmeres und erschrecke entsprechend. Unter uns sind Taucher und wir schwimmen durch eine Wand aus Luftblasen. Die Strömung erschwert unseren Rückweg merklich. Der Tauchleiter winkt uns schon zu, dass wir zurückkommen sollen. Zurück auf dem Boot gibt es Mittag: Gebratene Nudeln mit Hühnchen. Bevor es weitergeht, will ich noch kurz an Land und aufs Klo. Das ist leider außer Betrieb und ich soll mir einfach einen Busch suchen. Obwohl im Prinzip die ganze Insel Nationalpark-Gebiet ist, ist der Teil der Insel, den ich zwischen Bootsanleger und dem Busch meiner Wahl sehe, ziemlich stark vermüllt.

Wir fahren einmal um die Insel herum. An der Spitze der Insel befinden sich einige Höhlen, die von Fledermäusen bewohnt werden. Ich sehe die Fledermäuse zuerst nicht. Dann sagt man mir, dass die Höhlenwände normalerweise nicht schwarz sind. Die „Höhlenwände“ sind die Fledermäuse. Ein paar Höhlen weiter sinkt die Fledermausdichte dann so weit, dass man auch einzelne Exemplare ausmachen kann. Noch ein Stückchen weiter machen wir an einem völlig zerfallenen Steg fest. „Ihr könnt hier entweder rauf oder runter schnorcheln.“ „Welche Richtung ist denn besser?“ „Das ist egal.“ Danke für die fachkundige Auskunft… Es gibt hier weniger Korallen, dafür aber noch mehr Fische und Seesterne. Lulu sieht natürlich zusätzlich noch eine Seeschnecke. „Schwarz mit blauen Punkten“, berichtet sie.

Wieder an Land dürfen wir das Toilettenhäuschen nutzen, das ein bisschen so aussieht, als würde es nur darauf warten, dass ein Horrorfilm darin gedreht wird. Zurück im Hotel bemerken wir, dass unsere Rücken zart rosa sind. Zu Beginn hatten wir uns mit Lichtschutzfaktor 50+ eingeschmiert. Auf der Flasche stehen so wohlklingende Dinge wie „Hält 4 Stunden“ und „extra wasserfest“. Vielleicht hätten wir trotzdem zwischen den Schnorchel-Spots mal nachschmieren sollen. Erstmal duschen gehen und das Salz von der Haut spülen. Dann gehen wir zum Abendessen wieder rüber zum Warung. Lulu zieht ihre Schuhe am Eingang aus, wie es sich eigentlich gehört. Als ich anfange, an meinen Sandalen rumzufummeln, bedeutet mir die Inhaberin, dass ich so reinkommen soll. Na gut, dann eben einer mit und einer ohne Schuhe. Vor der Bestellung rechnen wir ganz genau nach, wofür unser restliches Geld noch reicht. Als wir unser Essen haben, kommt der Sohn nach Hause und schmettert wieder in seiner unnachahmlich-schrägen Art Hero.

Im Hotelzimmer schlägt sich Lulu dann noch mit ihrer Bank herum, weil für die Bestellung unserer lokalen JapanRail-Pässe noch irgendein Bestätigungscode benötigt wird, der sich aber nirgends auffinden lässt. Dann müssen wir noch ein bisschen packen, denn morgen geht es schon weiter.

19.04.

Nach dem Aufstehen gehen wir nochmal zu dem für gut befundenen Geldautomaten. Davor sitzt heute eine Menschentraube. Als wir in das Hüttchen mit dem Automaten gehen, ruft uns eine der wartenden Frauen „No Saldo“ zu. Na toll, dann sind wir völlig umsonst noch vor dem Frühstück durch die Hitze gelatscht.

Zum Frühstück probiert Lulu heute den balinesischen Pancake. Der ist anscheinend ziemlich gut, wenn man Kokos mag. Ich bleibe beim Toast mit Rührei. Die frischen Säfte sind auch super: Wassermelone einmal durch den Mixer jagen und die übrigen Bröckchen und Kerne aussieben. Das könnte man glatt auch mal zu Hause probieren.

Unser Fahrer ist (mal wieder) bereits da, als wir fünf vor elf mit unserem Gepäck vor das Hotel laufen. Da es vorhin nicht geklappt hat, fragen wir ihn beim Einsteigen, ob er an einem Geldautomaten halten könnte. Er nickt. „Ist gar kein Problem.“ Dann lässt er aber einen Automaten nach dem anderen links liegen. „Die sind nicht international.“ Irgendwann hält er direkt vor einem Geldautomaten-Häuschen. In der kleinen Butze sind auch schon Touristen. Das scheint Lulu zu übersehen und läuft 100 Meter weiter zum nächsten Automaten, kommt aber relativ schnell wieder. Auf dem Rückweg scheint sie auch den Automaten zu entdecken, vor dem wir gehalten haben. Die Touristen kommen glücklich dreinschauend aus der kleinen Butze raus. Das ist doch ein gutes Zeichen und auch bei Lulus Abhebung klappt alles.

Unser Fahrer brettert ganz schön durch die sich ewig hinziehende Ortschaft, die wir gestern schon zu großen Teilen durchfahren haben. Gegen 12:50 Uhr fahren wir vor dem Fährterminal vor, wo – laut Google Maps – immer zur vollen Stunde die Fähre nach Java ablegt. „Da vorne links ist der Eingang und dort gibt es auch die Tickets“, erklärt unser Fahrer. Damit hat er auch Recht. Kurz vor dem Eingang kann man vorbestellte Tickets ausdrucken. Leider haben wir nichts vorbestellt und müssen eine Verkaufsstelle finden. Eine Dame von der Fährfirma schickt uns zurück zum Busbahnhof, wo wir Tickets kaufen können. Wir finden eine kleine Bude, in der sich zwei Menschen befinden. Anscheinend stören wir bei der Mittagspause, tut uns leid, aber wir würden gern noch die Fähre nehmen, die da liegt. Einer von den beiden kümmert sich um uns. Obwohl wir unsere Pässe abgeben müssen und Kopien davon gemacht werden, ist letztendlich der Name auf dem Fährticket falsch geschrieben. „Das ist gar kein Problem…“ Warum dann überhaupt der Tanz mit den Pässen, wenn am Ende egal ist, welcher Name auf dem Ticket steht? Wir hetzen zurück zur Ticketkontrolle, vielleicht schaffen wir ja doch noch die 13-Uhr-Fähre. Die Dame von vorhin wirft einen Blick auf unsere Tickets und schickt uns eine Treppe hoch. Wir folgen immer dem Gang, dann folgt noch eine Ticketkontrolle. Diesmal wird ein Abschnitt vom Ticket einbehalten. Dann können wir die Fähre betreten. Der Passagierbereich ist halboffen. Gefühlt rauchen alle Anwesenden. Es stößt eine Jungen-Schulklasse zu uns. Die Jungs wirken ein bisschen irritiert von so viel nackter Haut von Lulu, immerhin trägt sie nur eine kurze Hose und ein schulterfreies Oberteil. Es ist aber auch wirklich warm und auch die Ventilatoren, die aus jeder Ecke blasen, helfen nicht wirklich. Wir ertragen es einfach und lassen die Suppe an uns runterlaufen. Gegen 13:20 Uhr legt die Fähre tatsächlich in Richtung Java ab. Da haben wir uns völlig umsonst gestresst.


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